»Reden ist Gold«
Es ist ungeheuer wichtig, mit den Gasteltern und den neuen Geschwistern im Gespräch zu bleiben um herauszubekommen, was von einem erwartet wird und was die anderen eventuell an einem stört. Viele Reibungspunkte werden gar nicht erst zum Problem, wenn man sie frühzeitig anspricht, statt sie unter den Teppich zu kehren.
Noch was zum sprachlichen Umgang miteinander. Selbst wenn sich die Gasteltern als Mom/ Dad oder mit ihren Vornamen ansprechen lassen, bedeutet das nicht, dass man sich genauso verhalten kann wie bei den eigenen Eltern. Das heißt, man sollte sich mit Unmutsäußerungen zurückhalten, wenn einen die Gasteltern »nerven«, sie vielleicht konservativ denken oder das eine oder andere verbieten. In den USA sind Eltern im Umgang mit ihren Kindern mitunter wesentlich autoritärer, und noch nicht volljährige Jugendliche werden relativ stark kontrolliert und müssen sich einer Vielzahl von Regeln beugen. Das gilt dann natürlich auch für Austauschschüler. Viele empfinden deshalb ihre Gasteltern als streng, obwohl sie angesichts dem durchschnittlichen Verhalten amerikanischer Eltern eher als »normal« oder sogar als relativ tolerant gelten würden. Es gilt in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass man in den USA erst mit 21 volljährig wird.
Es kommt vor, dass Gasteltern der Meinung sind, eine Regel sei übertreten worden, die Schülerin oder der Schüler aber nicht finden kann, dass sie oder er etwas Unrechtes getan hat das hängt auch mit der unterschiedlichen Gewichtung bestimmter Verstöße in der amerikanischen und der deutschen Kultur zusammen. Deutsche Jugendliche unterschätzen regelmäßig, wie wichtig es amerikanischen Gasteltern ist, dass besonders bei abendlichen Aktivitäten die vereinbarte Rückkehrzeit (»curfew«) eingehalten wird.
Auch wenn man in der ersten Zeit vielleicht nicht so richtig mit seiner Gastfamilie warm wird, sollte man trotzdem nicht gleich verzweifeln. Wenn man sich etwas eingewöhnt hat, sieht man die Dinge vielleicht ganz anders, und Gasteltern brauchen ebenfalls eine Weile, bis sie »auftauen«. Auch vereinzelte Konflikte sind kein Grund, sofort eine neue Bleibe zu fordern; »dicke Luft« gibt es auch in der besten Familie manchmal. Man sollte erst einmal versuchen, die Probleme zu lösen, auch mit Hilfe der »Area Representative«. Klappt dieser Versuch, so kann man anschließend stolz darauf sein, das durchgestanden zu haben.

