USA-HIGH-SCHOOL-PROGRAMM

- Gastfamilien

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Geborgenheit und Halt

Bevor man seine Gastfamilie kennen lernt, fragt man sich natürlich was tun, wenn man die Leute nicht mag oder man ihnen nicht gefällt? Werden sie einen wie ein eigenes Kind behandeln? – Vielleicht hilft es ein bisschen, wenn man weiß, dass die Gastfamilie beim Gedanken daran, bald einen ausländischen Jugendlichen bei sich zu haben, genauso aufgeregt ist und sich mit ebenso vielen Fragen plagt: Wird „unser“ Austauschschüler aufgeweckt, interessiert, fröhlich sein, oder holen wir uns jemanden ins Haus, der vielleicht arrogant ist, uns nicht mag und sich in die Familie nicht einfügt? Kurzum: Es ist für beide Seiten eine Art Glücksspiel.

Da Austauschschüler im fremden Land Geborgenheit und Halt noch viel nötiger brauchen als im gewohnten Umfeld daheim, ist für sie eine gute emotionale Bindung zur Gastfamilie besonders wichtig. Tatsächlich ist es für den Erfolg des High School Programmes von erheblicher Bedeutung, dass sich die Jugendlichen bei ihrer Gastfamilie wohl fühlen, trotz gelegentlicher Schwierigkeiten und Konflikte. Es muss hier deutlich gemacht werden, dass der Weg zu einer gut funktionierenden Beziehung zwischen Austauschschüler und Gastfamilie ein phasenweise beschwerlicher Prozess ist – für alle Beteiligten! Nur wenn beide Seiten aufeinander zugehen mit Aufgeschlossenheit und Toleranz, Einfühlungsvermögen, taktvoller Offenheit und Freundlichkeit, kann dieses Ziel erreicht werden. Dabei muss sich der Austauschschüler bewusst machen, dass vieles ganz anders ist als zu Hause – die Strukturen, die Mentalität und Lebensgewohnheiten, die Ansichten und Umgangsformen. Wer da ständig darauf verweist, wie viel besser die Dinge in Deutschland organisiert sind, wird seiner amerikanischen Umgebung meist überhaupt nicht gerecht; er landet auch wahrscheinlich schnell im sozialen Abseits.

Die Gastfamilie wünscht sich auf jeden Fall, dass dieses neue Kind ihr Leben bereichern wird. Wenn sich die Jugendlichen einbringen, selbst das Gefühl haben, ihrer Gastfamilie als Menschen etwas geben zu können, dann verringert das auch die enorme »Dankesschuld« gegenüber der Familie. Ein Geben und Nehmen sollte es also sein. Geben? Was habe ich schon zu geben?, fragen sich jetzt vielleicht manche. Antwort: sich selbst bzw. das, was Freunde und die Familie zu Hause an einem liebenswert finden. Sagen wir es einmal anders herum: Wenn man ein paar Dinge beachtet, dann ist die Chance zumindest groß, dass die Gastfamilie etwas von ihrem Schüler hat und sich nicht wie ein Hotelbetrieb vorkommen muss. Zuallererst sollte man Interesse an seiner Gastfamilie zeigen. Das bedeutet, Anteil daran zu nehmen, was die verschiedenen Familienmitglieder machen, Gespräche anknüpfen und Fragen stellen – kurz, am Familienleben teilnehmen. Auf gar keinen Fall sollte man sich zu oft in seinem Zimmer verkriechen. In den USA versammelt sich die Familie abends meist im Wohnzimmer. Da wird nicht unbedingt immer etwas gemeinsam getan; man liest, redet, sieht fern. Hat z.B. die Mutter etwas in der Küche zu tun, dann fragt man eben, ob man irgendetwas helfen kann, einfach dabei zu sein, präsent zu sein, Kontakt zu haben. Sind irgendwelche Aktivitäten angesagt, ob das der Kirchgang oder das Shopping in der »Mall« ist, dann sollte man in der Anfangsphase des Aufenthalts erst mal immer Ja sagen. Während der zweiten Phase des Austauschs sind die meisten »exchange students« viel mit ihren neuen Freunden unterwegs und sehr mit ihrer Schule beschäftigt. Aber auch dann sollte sich der Programmteilnehmer wenigstens am Wochenende Zeit für die Gastfamilie nehmen und sie nicht nur als »homebase« für die eigenen Unternehmungen benutzen.